Tai Ji / Qi Gong​, hierzulande als “Schattenboxen” bekannt, wird geübt, um ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den beiden gegensätzlichen Polen im Menschen – Yin und Yang – wiederherzustellen. Ist dies erreicht, fließt die Lebensenergie, das Qi, das in der Traditionellen Chinesischen Medizin eine zentrale Rolle spielt. Die Übungen werden langsam, locker und entspannt in einem natürlichen Fluß ausgeführt.

Unser Taiji-Kurs findet aktuell jeweils am Montag in der Zeit zwischen 19 und 20 Uhr statt und wird von Herrn Matthias Lohoff unterrichtet, der den alten Yang-Stil mit großer Begeisterung und Hingabe vermittelt.

Herr Lohoff ist Lehrer für Sport und Geschichte am Gymnasium. Er praktiziert seit 2004 Qi Gong und Tai Ji Quan. Zum Tai Ji kam er aus gesundheitlichen Gründen und dem Interesse einen Ausgleich für seinen Beruf zu finden.

„Tai Ji bedeutet für mein Leben eine besondere Bereicherung und ich erfreue mich der wohltuenden Wirkung des Übens auf meinen Körper und meine Seele. Ich übe und unterrichte den alten Yang-Stil, der von der Yang-Familie im 19. Jahrhundert begründet wurde. Meine Ausbildung erhielt ich durch Achim Szyska und Stephan Hagen. Stephan Hagen ist Schüler von Meister Gin Soon Chu und Schüler und Repräsentant von Yang Ma-Lee dem Oberhaupt der Yang Familie.“

In der Ming-Dynastie (1368-1644 n.Chr.) lebte ein Priester namens Zhang San Feng im daoistischen Kloster Wudang. Der Legende nach verschlug es diesen Asketen oft tief in die Wildnis der Berge, um Heilkräuter zu sammeln. Während einer dieser Erkundungsreisen, beobachtete er einen Kampf zwischen einem weißen Kranich und einer Schlange, der ihn tief beeindruckte und dazu inspirierte, die traditionellen Formen der chinesischen Kriegskunst zu reformieren und einen neuen Stil der Kampfkunst zu schaffen. Dieser Stil sollte von allen Altersgruppen praktiziert werden können, den Körper stärken und Selbstverteidigung lehren. Zhang San Feng verließ das Kloster und gab seiner neuen Kampfkunst den Namen “Taiji Quan”.

Später wurde “Taiji Quan” auf Wang Zong Yue aus der Provinz Shanxi übertragen. Er perfektionierte die Methode und verfasste das Grundlagenwerk “Abhandlung über Taiji Quan”, das auch heute noch als “Bibel” des Taiji Quan gilt. Wang Zong Yue war dann verantwortlich für die weitere Verbreitung des Taiji Quan in die zentralchinesische Ebene, wo er u.a. Meister Jiang Fa der Stadt Zhao Bao, Provinz Henan, in seiner Kunst unterrichtete. 

In den nachfolgenden Jahrhunderten wurde der ursprüngliche Stil des Taiji in Meister-Schüler-Beziehungen weiter tradiert und modifiziert. Er verzweigte sich schließlich in sechs große Schulen: Zhao Bao Stil (赵 堡), Chen-Stil (陈 式), Yang-Stil (杨 式), Wu-Stil (武 式), ein weiterer Wu Style (吴 式) und Sun-Stil (孙 式). Obwohl alle Stile der gleichen Quelle entstammen, hat jeder Stil einzigartige und unverwechselbare Elemente entwickelt, die heute von Praktizierenden in der ganzen Welt geübt werden.