Akupunktur ( lat.: acus = Nadel: pungere = stechen ) im chinesischen Zhen Jiu genannt, bedeutet „ Nadel und Moxibustion“. Unter Moxibustion versteht man das Abbrennen von stark erwärmendem Artemisia-Kraut über den Akupunkturpunkten.

Die Ursprünge der Akupunktur liegen im alten China, wo bereits in vorchristlicher Zeit mit spitzen Gegenständen aus Knochen, Bambus, Stein und Metall eine Therapiemethode entwickelt wurde, der die Beobachtung zugrunde lag, daß mittels Reizung spezifischer Hautstellen mit diesen Werkzeugen eine therapeutische Wirkung erzielt werden konnte.

Diese Beobachtungen von spezifisch reagiblen und reaktiven Stellen an der Körperoberfläche, wurden zu einem geschlossenen therapeutischen System verdichtet, daß alles von der Krankheitsentstehung über die Diagnostik bis hin zur Therapie beinhaltet.

Prinzipiell alle Erkrankungen, bei denen die körpereigene Regulationsfähigkeit noch nicht abhanden gekommen ist. Dem Katalog der Weltgesundheitsorganisation zufolge lassen sich mit den Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin u.a. behandeln:

Neurologische Erkrankungen

  • Kopfschmerzen/ Spannungskopfschmerz
  • Migräne
  • Trigeminusneuralgie
  • Fazialisparese (halbseitige Gesichtslähmung)
  • Lähmungen nach Schlaganfall
  • Ménière-Krankheit
  • Periphere Neuropathien
  • Neurogene Blasendysfunktion
  • Enuresis nocturna (nächtliches Bettnässen)
  • Insomnia
  • Interkostalneuralgie
  • Neurastheni
  • Neurose

Orthopädische Erkrankungen

  • Rückenschmerzen (Lumbalgie)
  • Knieschmerzen (funktionelle und bei Gonartrhose)
  • Schulter-Arm-Syndrom
  • Tennisellbogen
  • Periarthritis humeroscapularis
  • Rheumatoide Arthritis etc.

Allergische Erkrankungen

  • Pollenallergien
  • Nahrungsmittelallergien
  • Nesselsucht etc.

Augenerkrankungen

  • Akute Konjunktivitis
  • Zentrale Renitis
  • Myopie ( bei Kindern)
  • Katarakt etc.

Erkrankungen der Atemwege

  • Akute Bronchitis
  • Asthma Brochiale etc.
  • Akute und chronische Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
  • Akute und chronische Rhinitis
  • Erkältungskrankheiten

Erkrankungen der Mundhöhle

  • Zahnschmerzen
  • Schmerzen nach Zahnextraktion.
  • Gingivitis
  • Akute und chronische Pharyngitis etc.
  • postoperativer Zahnschmerz

Erkrankungen des Magen-Darmtrakts

  • Ösophagus- und Kardiospasmen
  • Singultus (Schluckauf)
  • Gastroptose
  • Magenschleimhautentzündung
  • Übersäuerung des Magens
  • Gallenkoliken
  • Chronische Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Gastralgie
  • Dickdarmentzündung
  • Gastroenteritis
  • Akute bakterielle Dysenterie
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Diarrhö (Durchfall)
  • Paralytischer Ileus etc.

Herz-und Kreislauf-Erkrankungen

  • Bluthochdruck
  • zu niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Herzrasen (Tachykardie)

Suchterkrankungen

  • Tabakmißbrauch/ Rauchentwöhnung
  • Appetitzügelung

Gynäkologische Erkrankungen

  • Menstruationsbeschwerden, chronische Blaseninfekte, Infertilität

Adjuvante Therapie bei Krebserkrankungen

  • Durch Chemotherapie verursachte Übelkeit und Erbrechen
  • Fatigue (Müdigkeit)

Die der Akupunktur zugrunde liegenden Wirkmechanismen werden seit etwa 40 Jahren untersucht.

Eine Forschergruppe um Professor J.S. Han aus Peking konnte nachweisen, dass, im Zusammenhang mit der schmerzstillenden Wirkung der Akupunktur abhängig von der Frequenz einer elektrischen Nadelstimulation, verschiedene Endorphin-Subklassen ausgeschüttet werden. Niedrigfrequente Stimulation führt zu einer Freisetzung von Beta-Endorphin und Met-Enkephalin in Gehirn und Rückenmark, während eine hochfrequente Stimulation die Freisetzung von Dynorphin im Rückenmark bewirkt.

Ein weiterer wichtiger Mechanismus ist offenbar die Aktivierung der sogenannten deszendierenden Hemmung durch den Nadelreiz. Damit sind die von verschiedenen Hirnstammkernen auf die nociceptiven Hinterhornneurone projizierenden (deszendierenden) Efferenzen gemeint. Auf spinaler Ebene haben diese eine hemmende Wirkung auf afferente Schmerzsignale.

Da die gerade beschriebenen Mechanismen nur kurzzeitig anhaltende analgetische Effekte der Akupunktur erklären, wurde eine Hypothese zu Langzeiteffekten der Akupunktur bei chronischen Schmerzen postuliert. Hier wird Akupunktur als repetitive, nociceptive Reizkonstellation aufgefasst, die über lokale und systemische Angriffspunkte durch die Induktion von Adaptationsprozessen auf verschiedenen physiologischen Ebenen zu einer verbesserten Kompensationsmöglichkeit natürlicher Schmerzreize führen soll.

Einer antientzündlichen Wirkung der Akupunktur soll die Ausschüttung von vasoaktiven Neuropeptiden wie Calcitonin gene related peptide (CGRP) und Substanz P (SP) zugrunde liegen. Diese werden bei Stimulation von bestimmten Nervenfasern ausgeschüttet und führen außerdem zu einer erhöhten Durchblutung in der Umgebung der Nadel. Ferner soll durch eine Stimulation der motorischen Endplatten eine Muskelzuckungsreaktion ausgelöst werden, die bei der Auflösung muskulärer Triggerpunkte durch Akupunktur von Bedeutung zu sein scheint.

Weiterhin werden auf Systemebene Wirkungen auf das Endokrinum und immunmodulierende Effekte sowie die Stimulation einer Genexpression von Neuropeptiden durch Akupunktur angenommen. Zudem deuten jüngere Studien mittels funktioneller Kernspintomographie (fMRI) auf eine Aktivierung kortikaler Strukturen.

Es gibt neben der klassischen Körperakupunktur und der Nadelung von sog. Trigger-Punkten auch noch weitere häufig verwendete Formen der Akupunktur, die heute unter dem Begriff Mikro-Aku-Punkt-Systeme (MAPS) zusammengefasst sind:

  • Ohrakupunktur
  • Schädelakupunktur
  • Handakupunktur usw.

Allen MAPS ist gemein, daß sie die Somatotope, darunter versteht man Projektionen des geasamten Organismus auf kleine Körperregionen (Ohr, Schädel, Fuß etc.) zur Therapie ausnutzen. Durch die Akupunkturnadel werden diese Reaktionsstellen stimuliert und damit das zugeordnete Organ oder die Körperzone behandelt.

Es werden zur Akupunktur auch noch andere Instrumentarien als Nadeln verwendet: In unserer Praxis hat sich besonders bei Kindern die alternative Verwendung von Therapie-Lasern bewährt, die eine wirksame und schmerzlose Behandlung erlauben. Desweiteren finden bei der Ohrakupunktur oft Dauernadeln oder Metall-Kügelchen Anwendung, insbesondere zur Suchtbehandlung. Die Elektroakupunktur wird zur elektrischen Stimulation von Punkten verwendet.

In der Hand des erfahrenen Therapeuten kann die Akupunktur als eine fast nebenwirkungsfreie Methode bezeichnet werden. Ungefährliche Verletzungen von Blutgefäßen (Hämatombildung) können in seltenen Fällen vorkommen. Verletzungen an Nerven und inneren Organen (Pneumothorax, Herzbeuteltamponade), des Rückenmarks oder der Augen, die in der Literatur beschrieben sind, waren hingegen immer auf mangelnde Sach- und Fachkenntnis des Therapeuten zurückzuführen.

Da ausschließlich sterile Einmalnadeln benutzt werden, ist eine Infektionsgefahr ausgeschlossen.

Die Häufigkeit der Behandlung ist abhängig von der Art der Erkrankung. Entscheidend ist auch, ob es sich um akute oder chronische Beschwerden handelt. In der Regel umfaßt eine Behandlungsserie in etwa 10-15 Sitzungen. Bei chronischen Erkrankungen können wiederholte Behandlungen in angepassten Intervallen sinnvoll und notwendig sein.

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Akupunktur zwischen Mythos und Moderne - Praxis Dr. Tao